Ungeschriebene Regeln: Brechen oder einhalten?
Ungeschriebene Regeln gibt es in unserer Gesellschaft wie Sand am mehr. Scheinbar selbstverständlich ist es, diese zu befolgen. Warum sie da sind, weiß keiner so recht. Aber sie werden von allen befolgt, also machen wir es auch. Bis sie einer bricht und erst dann fragen wir uns: Muss das so sein?
Inhaltsverzeichnis
- 1 6 ungeschriebene Regeln, mit denen du brechen solltest
- 2 Ungeschriebene Regeln: Die Macht der Gewohnheit
- 3 Ungeschriebene Regeln: Nicht mehr als Erwartungen
- 4 Ungeschriebene Regeln: Löse dich von Erwartungen
- 5 Expertentalk: Ungeschriebene Regeln
- 6 Ungeschriebene Regeln brechen: Ein persönliches Beispiel
Boris Becker trainierte zu gleichen Zeit die damalige Nummer eins der Welt, Novak Djokovic, und hat den Schlag von Federer stark kritisiert. »Ein respektloser Regelbruch«, so Becker. Allein stand er mit dieser Meinung nicht da. Viele Top Spieler und Experten sahen es ähnlich. »Hätte er diesen Schlag gegen John McEnroe, Ivan Lendl, Jimmy Connors oder gar mich ausgepackt, hätten wir gesagt: ‚Roger, ganz ehrlich, ich mag dich sehr, aber noch einmal, und ich ziele voll auf dich’«, stellte Becker während der US Open unmissverständlich klar. Für Becker war dieser Schlag respektlos, denn er nimmt den Aufschlag des Gegners nicht ernst. »Es gibt im Fußball ungeschriebene Regeln, und es gibt im Tennis ungeschriebene Regeln«, so Becker in einem weiteren Statement.
Mit dieser Aussage hat er zu hundert Prozent recht. Uns begegnen ungeschriebene Regeln nicht nur im Sport, sondern in nahezu allen Bereichen des Lebens. »Mindestspielregeln« oder »Regeln des guten Anstands«, wie sie von vielen Menschen genannt werden.
6 ungeschriebene Regeln, mit denen du brechen solltest
Regeln limitieren und setzen Grenzen – oftmals sind sie auf unserem persönlichen Weg zum Erfolg ein Hindernis. Erfolgreiche Menschen haben alle eines gemeinsam: Sie sind Rulebreaker – ganz besonders, was ungeschriebene Regeln unserer Gesellschaft angehen. Mit diesen 6 Regeln solltest du unbedingt brechen, wenn du in deinem Leben weiterkommen möchtest.
Regel #1: Bleibe realistisch
Wer dieser Regel folgt, limitiert sich auf allen Ebenen seines Lebens. Ein Vorhaben gilt so lange als unrealistisch, bis es jemand gemacht hat und bewiesen hat, dass es realistisch ist. Jeder hat ein Recht darauf, seine eigene Vorstellung und Definition von Realismus zu haben. Nur so kannst du Grenzen überschreiten.
Regel #2: Vermeide Fehler
Für viele Menschen ist es eine der wichtigsten Lebensregeln überhaupt: Fehler müssen vermieden werden. Ein Trugschluss. Wir müssen erkennen, dass Fehler ein nützliches Instrument sind, nämlich dann, wenn wir anfangen aus Fehlern zu lernen. Nur, wer mit dieser Regel bricht, kann erfolgreich werden.
Regel #3: Man erwartet das von mir
Wir leben nicht, um es anderen Menschen recht zu machen. Es ist unser Leben und jeder von uns entscheidet, wie er es leben möchte. Nur so sind wir überhaupt in der Lage ein selbstbestimmtes Leben zu führen, was Grundvoraussetzung für ein glückliches und erfolgreiches Leben ist.
Regel #4: Ein unbeschwertes Leben macht glücklich
Ein unbeschwertes Leben ist der Schlüssel zum Glück? Das klingt auf den ersten Blick nach einer vernünftigen Lebensregel. Auf den zweiten Blick entpuppt sie sich als falsch: »Unbeschwert« ist nicht gleichzusetzen mit »glücklich«.
Regel #5: Du brauchst einen Plan
Es gibt uns ein gutes Gefühl, einen festen Plan in den Händen zu halten. Er gibt uns Sicherheit für das Ungewisse, was sich Leben nennt. Nur dürfen wir nicht vergessen, dass wir mit Plänen nicht die Zukunft regeln können, denn sie ist unvorhersehbar.
Regel #6: Das machen alle so
Machen wir immer nur das, was alle machen, werden wir auch immer nur das erreichen, was alle erreichen – und das ist logischerweise nicht mehr als Durchschnitt. Wollen wir mehr als das, müssen wir uns von der Masse trennen und eigene Wege gehen. »Think outside the box« heißt hier das Kredo.
Warum ungeschriebene Regeln limitieren
Keynote Speaker Change Management und Business Rebell Markus Czerner über Regeln, Veränderung und die die zahlreichen ungeschriebenen Regeln unserer Gesellschaft, die uns größtenteils limitieren.
Ungeschriebene Regeln: Die Macht der Gewohnheit
Wir tun gut daran, die Nützlichkeit ungeschriebener Regeln zu hinterfragen und sie bei Bedarf bewusst zu brechen. Wir sollten uns ins Bewusstsein rufen, dass solche Regeln in Wirklichkeit keine Regeln sind. Es sind lediglich bewährte Handlungsmuster, die sich in der Vergangenheit bewahrheitet haben und die Mehrheit schützen soll. Aber sind sie deswegen auch gut für uns?
Ungeschriebene Regeln können Schaden anrichten
Ungeschriebene Regeln können erhebliche Schäden verursachen. Wir bekommen zum Beispiel im Kindesalter schon suggeriert, dass gute Noten einen guten Abschluss bedeuten. Ein guter Abschluss bedeutet einen Studienplatz an einer prestigeträchtigen Universität. Ein Abschluss an einer prestigeträchtigen Universität wiederum ist ein Garant für einen gut bezahlten Job. Ein gut bezahlter Job legt den Grundstein für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Hieraus ergeben sich zwangsläufig Erwartungen, die man versucht zu erfüllen. Das geht so weit, dass das eigene Leben nach diesen Erwartungen ausgerichtet wird.
Ist der Schulabschluss schlecht, ist das Leben im Prinzip schon gelaufen. So sagen es die Regeln – und daraus sind Glaubenssätze geworden. Irgendwann braucht es dann ein Change Management Coaching, um überhaupt eine Chance zu haben, solche limitierenden Glaubenssätze zu brechen.
Ein Blick in die Praxis
Ich sehe dieses Phänomen bis heute noch an Hochschulen, an denen ich unterrichte. Die Studierenden sind regelrecht notengeil. Eine schlechte Note führt umgehend zu der Bestätigung »Das macht mir alles kaputt!« Genauso muss man mit spätestens 30 Jahren verheiratet sein, Kinder in die Welt setzen und ein Eigenheim besitzen. Haben Frauen mit 35 Jahren noch keine Kinder, passen sie nicht in das gängige Gesellschaftsbild.
Ich kann dir ein anderes Lied vorsingen: Wer eine Karriere als Tennisprofi angestrebt, es aber nicht geschafft hat, ist gescheitert. Wer ein Diplom in Marketing hat, in dem Bereich aber nicht arbeitet, ist gescheitert. Wer ein Jahr nach dem Studium arbeitslos ist, einen Job als Tennistrainer anfängt, wieder aufgibt, um dann ein unbezahltes Praktikum bei einer Sportagentur zu machen, ist gescheitert.
Regelbrecher sind das schwarze Schaf
Solche Vorgehensweisen entsprechen weder den Regeln der Gesellschaft noch den Regeln vieler Unternehmen, die Bewerber ausschließlich mit einem möglichst lückenlosen Lebenslauf einstellen. Wer diese Lücken hat, ist umgangssprachlich das schwarze Schaf. Ein Zusammenhang, den es objektiv nachweisbar gar nicht gibt. Obgleich eine Grundlage fehlt, werden Regeln und Begrenzungen angewandt, die es eigentlich gar nicht gibt. Dennoch bestimmen sie unser Leben.
Ungeschriebene Regeln orientieren sich größtenteils nur an dem, was die Mehrheit macht. Heiratet der Durchschnitt mit 29 Jahren, fällt der 32ig-Jährige schon durchs Raster. Doch sollten wir solche Regeln brechen und die Macht der Gewohnheit umgehen?
Ungeschriebene Regeln: Nicht mehr als Erwartungen
Es gibt unzählige gesellschaftliche Regeln, die nirgends aufgeschrieben sind und dennoch erwartet jeder, dass sie eingehalten werden. Dem zugrunde liegt unsere Erwartungshaltung, die wir in Bezug auf den Umgang mit anderen Menschen und für das eigene Handeln haben.
Der Glaube an Regeln und Erwartungen
Erhalte ich als Keynote Speaker eine Kundenanfrage für einen Keynote Vortrag, erwarte ich eine Absage, sollte man sich nicht für mein Angebot entscheiden. Natürlich kann ich eine ausbleibende Rückmeldung richtig einordnen – und dennoch: Eine Absage gehört zum guten Ton, so zumindest meine Erwartungshaltung. Und das ist der springende Punkt: Es ist meine Erwartungshaltung, mehr nicht.
Es existiert keine Regel, dass jemand über ein abgelehntes Angebot informiert werden muss. Wenn überhaupt hat sie den Charakter einer ungeschriebenen Regel. Das gilt gleichermaßen für die zahlreichen Unternehmen, die ihren Bewerbern keine Absage schicken, sollten sie sich gegen sie entscheiden. Ungeschriebene Regel hin oder her: Absagen sind unangenehm. Man möchte anderen nicht vor den Kopf stoßen – ist es doch angenehmer, Stillschweigen zu bewahren. Am Ende macht niemand etwas falsch, so ehrlich muss man sein.
Wie bewerten wir Situationen?
Solche Gegebenheiten werden lediglich unterschiedlich bewertet. Man erhofft sich eine Entscheidung, positiv wie negativ. Das gilt für die Aussendung eines Angebots, eine Bewerbung oder die Frage nach einem Date – wir erwarten eine Rückmeldung. Da der Großteil der Gesellschaft diesen Anspruch für sich erhebt, entstand eine ungeschriebene Regel daraus – dem Herdentrieb sei Dank. Veränderung hat so nur selten eine Chance.
Ungeschriebene Regeln: Löse dich von Erwartungen
Warum befolgen wir zahlreiche ungeschriebene Regeln? Wir wollen es anderen Menschen recht machen. Leider vergessen wir dabei oftmals uns selbst. Wir tuen gut daran, uns von Erwartungen zu lösen, dann klappt es auch mit dem Bruch ungeschriebener Regeln.
Was erwarten Sie von Ihrem Gegenüber?
Gleiches konnte an dem neuen Schlag von Roger Federer gesehen werden. Die Beschwerde vieler Spieler und Experten ist darauf zurückzuführen, dass sie mit dem Schlag nicht zurechtgekommen sind. Federer agierte jenseits des Erwartbaren. Denn erwartet wurde, dass der Gegner beim zweiten Aufschlag einen Meter hinter der Grundlinie steht und nicht zwei Meter davor. Dadurch, dass es noch nie so gemacht wurde, gehört es sich eben nicht. Als Reaktion darauf wird sich beschwert und dem Einzelnen, in diesem Fall Roger Federer, ein Regelbruch unterstellt. Ein Regelbruch liegt aber keinesfalls vor, es ist nur nicht erwünscht, dass jemand etwas macht, dass noch nie jemand gemacht hat. Etwas Neues ist nicht kompatibel mit der eigenen Erwartungshaltung. Zudem wird man gezwungen, sich darauf anzupassen – und auch das ist nicht erwünscht.
In Wirklichkeit treffen hier lediglich zwei unterschiedliche Einstellungen und Erwartungshaltungen aufeinander.
Ungeschriebene Regeln besitzen Wert, aber …
Wir tun gut daran, uns von solchen Regeln und Erwartungen zu lösen. Das bedeutet nicht, dass ungeschriebene Regeln keinen Wert besitzen. Jeder sollte in der Straßenbahn für einen älteren Menschen Platz machen und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgehen. Doch wir sollten hinterfragen, welche ungeschriebenen Regeln sind gut und welche schlecht?
Auf diese Fragen gibt es keine universellen Antworten. Jeder einzelne muss sich die Frage individuell beantworten. Ungeschriebene Regeln sind nicht mehr als gewünschte Verhaltensformen. Die Frage ist also eher, ob man sich mit diesen Verhaltensformen identifizieren kann oder nicht.
Löse dich von der Macht ungeschriebener Regeln
Das neue Buch von Bestseller Autor Markus Czerner über Regeln, Gewohnheiten, ungeschriebene Regeln, die disruptive Innovation und Change Management.
Expertentalk: Ungeschriebene Regeln
Bestseller Autor und Top Speaker Markus Czerner war zu Gast im Expertentalk und hat mit Moderator Peter Buchenau über ungeschriebene Regeln, die schöpferische Zerstörung und den Regelbruch gesprochen. In dem Talk erfahren Sie:
Ungeschriebene Regeln brechen: Ein persönliches Beispiel
Ungeschriebene Regeln können uns limitieren und den Weg zum Erfolg verhindern, mindestens aber verlangsamen. Gerne möchte ich Ihnen ein persönliches Beispiel mit auf den Weg geben, das zeigt, wie sinnvoll der Bruch ungeschriebener Regeln sein kann.
Ungeschriebene Regeln geben Verhalten vor
2015 hatte ich das Ziel, ein Sachbuch auf den Markt zu bringen. Ich erarbeitete ein Manuskript und schickte es an alle Verlage in Deutschland. Die Enttäuschung war groß, als ich ausschließlich Absagen im Briefkasten hatte. Allerdings waren sie für mich kein Grund, mein Buchprojekt zu vergessen. Vielmehr überarbeitete ich mein Manuskript und schickte es ein paar Monate später nochmals an alle Verlage in Deutschland. Wieder hagelte es eine Absage nach der anderen. Einige Verlage baten mich sogar, zukünftig kein Manuskript mehr einzureichen, man hätte kein Interesse an einer Veröffentlichung.
Muss ich dieser Bitte nachkommen?
Es gab keine Regel, die mir verbietet, ein Manuskript einzureichen, auch nicht mehrmals. Besonders nicht dann, wenn man auf der Verlagswebseite mit »Wir freuen uns über jedes Manuskript« für eine Einreichung wirbt.
Viele ungeschriebene Regeln sind dämlich
Nach erneuter Überarbeitung meines Manuskriptes traf ich die Entscheidung, die Bitte der Verlage zu ignorieren.
Nach einiger Zeit schrieb mir der Geschäftsführer des BusinessVillage-Verlags: »Ausdauer haben Sie ja! Lassen Sie uns einmal telefonieren.« Wir telefonierten, zwei Tage später hatte ich einen unterschriebenen Buchvertrag im Briefkasten und sechs Monate später hielt ich mein erstes Buch »Alles Kopfsache« in den Händen.
»Akzeptiere die Absage.«
»Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, lasse es sein.«
»Es hat nicht sollen sein.«
Hätte ich diese ungeschriebenen Regeln unserer Gesellschaft eingehalten, wäre das Buch niemals erschienen.
Das Fazit der Geschichte
Das bewusste Missachten dieser Regeln offerierte mir eine Möglichkeit, die ich schlussendlich genutzt habe. Rückblickend betrachtet kann ich sagen, dass ich optimale Bedingungen für diese Chance geschaffen habe. Das stupide Befolgen ungeschriebener Regeln, wird solche Chancen nicht entstehen lassen, denn vieler dieser Regeln limitieren und verhindern den Erfolg.
Wir tun also gut daran, die Nützlichkeit ungeschriebener Regeln zu hinterfragen und sie bei Bedarf bewusst zu brechen. Wir müssen uns ins Bewusstsein rufen, dass solche Regeln in Wirklichkeit keine Regeln sind. Es sind lediglich bewährte Handlungsmuster, die sich in der Vergangenheit bewahrheitet haben und die Mehrheit schützen soll. Mehr nicht. Deswegen müssen sie aber noch lange nicht gut für uns sein.
Über den Autor: Top Keynote Speaker Markus Czerner
Markus Czerner gehört zu »einem der besten Vortragsredner im deutschsprachigen Raum« (Founders Magazin) und wird von Marktführern sowie Top Brands gebucht Als Top Keynote Speaker für Motivation und Keynote Speaker für Resilienz begeistert er sein Publikum mit authentischen und mitreißenden Vorträgen zu den Themen Motivation, Resilienz, Change Management und positive Fehlerkultur. Mit seiner einzigartigen Art, komplexe Inhalte greifbar und inspirierend zu vermitteln, sorgt der Redner für nachhaltige Begeisterung und lässt seine Zuhörer nicht nur zuhören, sondern aktiv mitdenken und handeln.
Top Redner Markus Czerner ist außerdem erfolgreicher Autor von sieben Büchern, von denen zwei auf die Bestseller-Listen gelangten. Das renommierte Erfolg Magazin zählt ihn zu den 500 bedeutendsten Persönlichkeiten der Erfolgswelt.
Seine eigene Reise, die ihn vom »No-Name« zu einem der erfolgreichsten Redner Deutschlands führte, zeigt, wie durch Durchhaltevermögen, Mut und eine klare Vision alles möglich ist. In seinem Speaker Training gibt der Motivationsredner und Business Coach nicht nur wertvolles Wissen weiter, sondern auch die praxisnahen Strategien, die er selbst genutzt hat, um als Redner und Unternehmer erfolgreich zu werden.